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Erfahrungen eines jungen Kollegen im Fahrdienst Straßenbahn
02.07.2015

Erfahrungen eines jungen Kollegen im Fahrdienst Straßenbahn



Ich bin jetzt seit 5 Jahren bei der BVG beschäftigt, erst zur Ausbildung als Fachkraft im Fahrbetrieb und anschließend als Straßenbahnfahrer.
Auch als junger Kollege muss ich feststellen, dass es Probleme und Ungereimtheiten gibt.
Seit vielen Wochen fahre ich 7 Dienste hintereinander und mache nur
einen Tag frei! Ich spüre die Erschöpfung, deren Ursache diese außerordentlichen Anstrengungen sind. Ja ich suche mir, wie viele andere Kolleginnen und Kollegen auch, die Dienste aus, die ich auf meinen freien Tagen als Überstunden leiste. Das mache ich, weil ich mich als Neuling genötigt sehe, sonst die Dienste auf frei anzunehmen, die die Dienstzuteiler oder Einsatzleiter telefonisch anbieten, obwohl ich diese nicht fahren möchte.
Ich, und wie die meisten meiner Kollegen, bin ich hilfsbereit und will niemanden auf den "Schlips" treten, aber was genug ist, ist genug.

Mir ist schon bewusst, dass sowohl die Dienstzuteiler als auch die Einsatzleiter nur ihren Job machen, um für meine Kollegen und mich
die Ablösungen zu sichern, trotzdem ist dieser seit langem anhaltende Personalmangel sehr, sehr anstrengend! Ich sage mir oft, eine Hand wäscht die Andere und das klappt in der Regel auch, aber das kann nicht der Normalzustand sein und bleiben. Die Kollegen sind in der Regel nett und freundlich. Man redet halt über Probleme und Neuheiten.
Man fühlt sich unter den Kollegen wohl, die Arbeitsbedingungen sind jedoch für alle sehr hart und nicht besonders attraktiv.

Die durchschnittliche 39h Woche, bei der in der Regel 6 Tage Dienste geschoben werden und 2 Tage frei sind ist schon seit Monaten nicht mehr die Realität! Es ist schon hart diesen ständigen 7. Dienst auf einem der zwei freien Tage zu fahren und Geld ist nicht alles im Leben.
Auch ich als junger Mensch merke, dass diese ständige Mehrarbeit in der normalen Turnuswoche an meine Substanz geht. Mir ist zwar bekannt dass es einen Ausgleich über das Arbeitszeitkonto gibt, mir fehlt jedoch der Glaube daran dass dieser innerhalb eines Jahres auch tatsächlich erfolgt!

Dazu kommt der Stress auf dem Fahrzeug durch fehlende "Vordermänner" und den Fahrgästen, die uns wegen dieser Situation anpöbeln, auch die fehlenden Ablösungen die die Dienste dadurch unnötig verlängern tun ein Übriges.
Man geht zz. nicht wirklich motiviert zur Arbeit, weil man sich täglich fragt,

"Was kommt heute auf mich zu"?

Wegen der ständigen Verspätungen mache ich mir schon lange keinen Stress mehr, sonst würde ich mich auf den meisten Linie völlig verrückt machen.
Auch wenn hier schon geschrieben habe das Geld nicht alles ist, möchte ich betonen, das sich diese Anmerkung in erster Linie auf die nicht abebbenden Überstundendienste auf Frei bezog.
Das Thema Bezahlung ist insbesondere für uns Neubeschäftigte nicht zu vernachlässigen!

In anderen Jobs ohne Schichtdienst kann man mehr Geld verdienen.
Die Entlohnung ist für einen Straßenbahnfahrer in Berlin und Zuschlägen für Sonn- und Feiertags- sowie Nachtarbeit 1300 - 1400 € Netto nicht besonders üppig und trägt auch nicht zur Motivation bei!
Auch die Verlautbarungen des Vorstandes der BVG in Presse und Fernsehen über Einkommen jenseits von 2000 € helfen hier nicht wirklich weiter.

Vom Brutto wird man nicht satt und seine Miete kann man davon auch nicht bezahlen. Das einzige was für einen Arbeitnehmer zählt ist das Netto!

Wir als junge Kollegen erwarten eine angemessene Entlohnung und die anderen genannten Punkte wie Arbeitszeit, Überstunden und Freizeitausgleich sind für viele von uns, Punkte die für unsere Zukunft in der BVG entscheidend sind!

Mit kollegialen Grüßen

N.

Der Autor dieses Artikels ist der Redaktion bekannt.
Zu seinem eigenem Schutz haben wir dem Kollegen empfohlen, seine Identität nicht preis zu geben.
Die Redaktion



Recht hat der Kollege, die Erwartungen auf eine angemessene Entlohnung und den anderen genannten Punkten wie Arbeitszeit, Überstunden und Freizeitausgleich sind für viele junge Fahrerinnen und Fahrer, Punkte die für ihre Zukunft in der BVG entscheidend sind!
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